„Austritt für die Künstler 3 bis 8 Euro“ steht auf einem Din-A-3-Zettel an der Tür zum hinteren Raum. Im Café Fincan im Neuköllner Körnerkiez kann jeder selbst entscheiden, wie viel Geld er für das Konzert bezahlt, das er gerade gehört hat. Daher löhnt man erst, wenn die Zugabe bereits verklungen ist. Das Geld kommt ausschließlich den Musikern zu. Die Idee: Wenn es den Besuchern gefallen hat, geben sie mehr. Vorausgesetzt, sie können es sich leisten. Denn auch mit kleinem Geldbeutel soll jeder die Angebote des Fincan nutzen können.

Das Café im Süden Neuköllns wird ehrenamtlich von einem Team von zurzeit fünfzehn Leuten geführt. Neben einem regulären Café-Betrieb am Wochenende gehören Jazz- und Weltmusik-Konzerte jeden Freitag- und Samstagabend zum festen Programm. Außerdem bieten Kollektivmitglieder Yoga und angewandte Improvisationstheaterkurse – Mach´s mal anders – an. Externe Kursleiter ergänzen das Programm durch Klangreisen, Pilates, ganz neu auch Zumba und bereits seit vier Jahren argentinischen Tango. Regelmäßig zeigt das Fincan Ausstellungen von Neuköllner Initiativen oder Künstlern und hilft ihnen dabei, ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentierten und so bekannter zu werden. Zurzeit stellt der Allmende-Kontor – Kleingärten auf dem Tempelhofer Feld – seine Arbeit im Fincan aus.

Das Team vom Fincan hat sich von Anfang an als Nachbarschaftstreffpunkt etabliert und ist mittlerweile im Kiez sicher verankert: Vormittags trifft sich hier eine Frauengruppe, um Deutsch zu üben und Probleme zu besprechen. Eine Kita nutzt die Räumlichkeiten als Turnhalle, und eine Kindertheatergruppe lädt Kitas und die dazugehörigen Eltern am Nachmittag zu Theater und Kuchen ein. Besucher und Kursteilnehmer schätzen die familiäre Atmosphäre und nennen das Fincan häufig als ihr ausgelagertes Wohnzimmer.

Die Macher des Fincans arbeiten ehrenamtlich. Und Arbeit gibt es immer: Barschichten bei Konzerten müssen besetzt, die Vermietung der Räumlichkeiten muss organisiert, der Online-Auftritt betreut werden. „Ich will mich für den Kiez einbringen“, erklärt Christina Saulich ihr Engagement. Und ohne Chef laufe das ohne Druck und vollkommen zwanglos. „Man kann sich hier ausprobieren, ohne dass ein Erfolgszwang auf einem lastet“, sagt Yoga-Lehrer und derzeitiger Vereinsvorsitzender Sandro Schott. „Wir sind keine Arbeitskollegen und haben stattdessen eher ein freundschaftliches Verhältnis zueinander.“ Anette Morvai ergänzt: „Es ist schön zu sehen, was man in einer Gruppe gemeinsam gestalten kann – und das über einen langen Zeitraum hinweg.“

In diesem Jahr feiert das Café Fincan bereits seinen fünften Geburtstag. Ein guter Grund für eine große Feier: Am 10. Mai lädt das Fincan daher zum Tag der offenen Tür ein: Tagsüber stellen sich die Bewegungsangebote des Veranstaltungsortes auf einem „Bewegungsbasar“ vor. Nicht nur Yoga und Tango, vom angewandten Improvisationstheater über Mantras singen bis Klangreisen können die Bewohner des Kiezes und alle anderen Interessierten das große Angebot kennenlernen (Programm siehe www.fincan.eu). Abends gibt es „VoKü“ mit den Mitgliedern des Fincan-Kollektivs. Danach geben „Maria Angeli & Band“ ein feines Konzert, und anschließend wird getanzt, bis die Beine nicht mehr können. Das Motto des Abends ist „Tassen Hoch“ – den Fincan heißt auf türkisch und arabisch „Mokkatasse“. Eintritt ist daher eine Tasse aus eigener Kollektion.