Am 7. Februar anlässlich der Ausstellung „Geschichte ist ein anderer Ort“ von Stephan Horn

Wir haben es nicht gewusst, sagten viele Deutsche, als sie nach Ende des 2. Weltkrieges mit dem Grauen der Shoah konfrontiert wurden. Wir wissen es nicht und vielleicht wollen wir es auch nicht wissen, wir geben vor, nicht unterscheiden zu können zwischen der Wahrheit der Opfer und der Täter, zwischen Täter und Opfer. Mit dieser Strategie können Menschenrechtsverletzungen auch hier und heute und überall auf der Welt durchgesetzt werden.

Die Ambivalenz und Verunsicherung über den richtigen Umgang mit Geschichte prägt bis heute auch die Fragen nach angemessenen Formen des Gedenkens: Wir wissen es nicht, so lautet auch hier die Antwort. Die Bildserie „Geschichte ist ein anderer Ort“ von Stephan Horn zeigt eindrücklich die Doppelbödigkeit, ja die Scheinheiligkeit, einer Gedenkkultur auf, die sich selbst gefällt und so höchstens als späte „Entschuldungsstrategie“ funktioniert. Wir sind die Guten. Wir gedenken. So der Gestus des Gedenktourismus und Gedenkmarketings.

Dabei ist es doch eigentlich ganz klar, wenn auch oft nicht einfach: Sich wo immer, wann immer gegen Menschenrechtsverletzungen zur Wehr zu setzen, sich zu engagieren, Gegenwelten zu bauen, Fluchtmöglichkeiten zu schaffen und sei es in der Phantasie. Das kann, das muss die einzige Antwort sein auf die Geschichte. Und das ist auch der Grund, warum wir im Fincan Geflüchtete einladen, bei uns ihre Kunst zu präsentieren, wie im Sommer während des Festivals 48 Stunden Neukölln, das ist der Grund, warum wir engagierte Künstler, wie Stephan Horn und Bands wie fehlkauf & Zieżkov Trilemma  einladen. Dies ist unser Beitrag zur Geschichte, unser engagiertes Eintreten für, ja so pathetisch muss ich es noch immer sagen: die „Völkerverständigung“! In Umkehrung des Titels der Ausstellung, deren Finissage wir gerade begehen, sagen wir damit : „Geschichte ist hier!“

Stephan Horn studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Religionswissenschaft in Berlin und arbeitet zurzeit als Museumspädagoge für das Deutsche Historische Museum. In seiner Kunst gelingt es ihm, mittels Assoziation dem Bildlichen übergeordnete Themen zu behandeln.

Inga Franke, Januar 2015